Das höllisch Gold

Julius Bittner (1916)

Ein Ausschnitt aus der Berliner Rundfunkproduktion unter Erich Kleiber hat sich erhalten.

(live, 1932)




Libretto vom Komponisten.

PERSONEN Der Mann (Baßbariton) – Die Frau (Alt) – Der Teufel (Tenor) – Das alte Weib (Sopran) – Ephraim (Tenor).

Irgendwo, irgendwann einmal.

Ein hartherziger Wucherer will eine Familie aus ihrem Haus vertreiben. Der Mann verflucht das Gold die »Pest der Welt«.
Die alte Nachbarin hat die Szene belauscht und trifft auf einen jungen Teufel, der zu seinem ersten »Menschenfang« ausgeschickt wurde. Das alte Weib verspricht ihm, Opfer zuzuführen, wenn er ihr seine gesamte Barschaft, 20 Dukaten überläßt.

Der Teufel geht auf den Handel ein und verbirgt sich hinter einem Hollerbusch.

Die Frau fleht vor einem Madonnenbil um Vergebung für die Lästerungen, die ihr Mann zuvor verzweifelt ausgestoßen hat. Da erscheint Ephraim, der Sohn des Wucherers. Er will der Frau Gutes tun, denn sie war der einzige Mensch, der ihn gegen die Verspottungen seiner Umwelt verteideigt hat. Gegen einen mütterlichen Kuß auf die Stirn verspricht er, das nötige Geld zu beschaffen.

Der Teufel in seinem Versteck ahnt, welche Macht das »höllisch Gold« zu wirken vermag.

Das alte Weib streut einen bösen Verdacht ins Herz des Mannes. Als Ephraim mit dem Geld erscheint und dafür den ausbedungenen Kuß empfängt, stürzt er eifersüchtig auf seine Frau zu, die bei der Muttergottes Schutz sucht. Mit einem Donnerschlag bricht Finsternis herein - der dürre Dornbusch hinter dem Gnadenbild schmückt sich mit frischen Blüten. Das Wunder führt Mann und Frau versöhnt wieder zusammen. Der Teufel aber hat sein Opfer gefunden und zieht das alte Weib unter Blitz und Donner mit sich in die Tiefe.

Der Einakter ist vermutlich Julius Bittners originellstes Werk. Zwar enthalten alle seine Musikdramen starke, späromantische Musik, doch trübt hier kein allzu erdiger Volkston die durchwegs expressive Charakterisierungskunst. Die Anleihen beim Volksstück sind raffiniert in eine moderne Dramaturgie eingebunden, die Gesangspartien dankbar und die Musik des »Blütenwunders« von großer Schönheit.


↑DA CAPO