Tausend und eine Nacht

Walzer op. 346 (1871)

Mit Spannung war die Premiere der ersten Operette aus der Feder des Walzerkönigs Johann Strauß erwartet worden. Der wollte zwar das Feld des Musiktheaters nicht ganz Offenbach und Franz von Suppé überlassen, doch blieb er zögerlich. Erst 1870 erklärte er sich bereit, eine Operette mit dem Titel Die lustigen Weiber von Wien zu schreiben.

Doch das Projekt blieb in den Anfangszügen stecken. Der Direktor des Theaters an der Wien, Maximilian Steiner, steuerte einen neuen Text bei, Indigo und die 40 Räuber, ein Sujet, das von Ali Baba und dem »Sesam öffne dich!« erzählt, also im Orient spielte, wovon aber in der Musik von Strauß nichts zu hören ist. Die schon für die lustigen Weiber komponierte Musik und noch manches aus der Melodien-Schublade mußte herhalten - und das war mit Abstand das beste an dem neuen Werk, denn der Text war von überhöhter Sinnlosigkeit.

Am Premierenabend bgrüßte das Publikum den Komponisten am Dirigentenpult mit frenetischem Jubel. Strauß mußte sich mehrmals verbeugen, ehe er zu dirigieren beginnen konnte. Doch die Operette - überlang und überladen (sie dauerte bis nach 23 Uhr!) fiel letztendlich durch. Trotz einer Ausstattung, die, wie die Wiener Zeitung berichtete, »alles übertrifft, was man an Pracht und Costüme-Originalität im Hause gesehen«, trotz des Engagements der Operetten-Primadonna Marie Geistinger, die, so der Rezensent, »die halbe Last des Abends auf ihren Schultern trug«.
Die Walzermelodien arrangierte Strauß allerdings, wie das später seine Gewohnheit werden sollte, für den Konzertgebrauch. So entstand Tausend und eine Nacht - der Walzer sollte später einer vollständigen Neubearbeitung der Operette den Titel geben - deren Erfolg Strauß nicht mehr erlebte.

Der Walzer aber war ein Schlager vom ersten Moment an. Die Eingangsmelodie (»Ja, so singt man«) wurde ebenso populär wie die folgende, die aus der zweiten Szene der Operette stammt (»Laßt frei nun erschallen das Lied aus der Brust«). Zündend auch dann das Zitat aus dem Operetten-Finale (»Die Freiheit lacht«), virtuos die Verarbeitung der wichtigsten Themen in der kunstvollen Coda.

Annonce der Uraufführung

Eduard Strauß dirigierte die Uraufführung des Walzers am 12. März 1871 im neuen großen Musikvereinssaal. Der Erfolg blieb dem Stück erhalten.

 

↑DA CAPO