Jan Dismas ZELENKA

(1679–1745)

Einer der phantasievollsten Köpfe des Barock, lange Zeit völlig unbeachtet von der Nachwelt.

Der böhmische Barockmeister Jan Dismas Zelenka gehört zu den originellsten Erscheinungen der Barockmusik. Wie kaum ein anderer nutzte er beispielsweise die damals gängigen Formmuster der Triosonate zu ungewöhnlichen, immer höchst ausdrucksstarken kompositorischen Extravaganzen. Zelenka spielte souverän mit den Erwartungshaltungen seiner seiner Zeitgenossen. Die wußten, was eine Triosonate zu sein hatte: Zwei Oboen und Fagott musizieren, von dem damals obligaten „Basso continuo“ begleitet, einem Cembalo oder Clavichord also, das für die harmonische Stütze sorgte.

Nicht so bei Zelenka, denn der fantasievolle Querkopf, ließ die Bläser schon einmal ganz gegen die damaligen Barock-Benimmregeln ohne fortlaufenden Bass miteinander musizieren.

Auch schrieb er in seinen Stücken des Öfteren Passagen, die gar nicht nach dem polyphonen Gusto der damaligen Schulen waren, mochten sie nun italienisch, französisch oder gar deutsch grundiert sein. Hie und da begann er, mit Motiven zu spielen und zu arbeiten, als wollte er, lang vor der Zeit, schon die Ära Joseph Haydns einläuten. Dann wieder führte er die Stimmen in geradezu johannsebastianbachischer Freiheit neben-, mit- und gegeneinander, daß es jedem Kontrapunktlehrer zur Freude gereicht hätte.

All das steht mehr oder weniger kunterbunt nebeneinander, fügt sich aber wie durch Zauberhand jeweils zu durchaus anmutigen kleinen Kunstwerken, in denen sich zuweilen auch atemberaubende chromatische Verschiebungen ereignen, um mit Unschuldsmiene wieder im wohligen Schoß der Ausgangstonart zu landen.

Aufnahmen

Es ist durchwegs Musik von eminenter Originalität – die man über Jahrhunderte vergessen hat, ehe in den 1970er-Jahren die Wissenschaft auf Zelenka aufmerksam wurde und ihn durch Neueditionen ins Bewusstsein der Musikanten der heranwachsenden Originalklanggeneration rückte.

Dann taten die digitalen Medien, die leichter und billiger zu produzieren waren als die klassischen Schallplatten  das Ihrige. So liegen uns heute dutzende Zelenka-Aufnahmen vor. Manche davon sind von heausragender Qualität.


Trio-Sonaten mit dem Ensemble "Prag - Berlin"

(DG)


Sonaten und Concerti (inklusive der besonders exzentischen "Hypochondria") mit der Camerata Bern, die prominenten Solisten wie Heinz Holliger in ihren Reihen hat.

(DG)

↑DA CAPO

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